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Wenn Schüler sich gegenseitig bewerten sollen

Neulich erzählte mir mein Sohn beiläufig beim Abendessen, dass sie in der Schule jetzt gegenseitig ihre Präsentationen bewerten sollen. Die Kinder geben sich Feedback zu den Vorträgen. Ich dachte erst, nette Idee. Dann hörte ich die Details.

Was daran gut läuft

Theoretisch lernen die Kinder dabei, konstruktiv Rückmeldung zu geben und anzunehmen. Mein Sohn meinte, er achtet jetzt mehr darauf, wie andere präsentieren - was funktioniert, was nicht. Das nimmt er dann für sich mit. Kann man nichts gegen sagen.

Einige Kinder trauen sich mehr, vor Gleichaltrigen ehrlich zu sein als vor dem Lehrer. Meine Nichte bekommt angeblich super hilfreiche Tipps von ihren Mitschülern, gerade bei Gruppenarbeiten. Die merken Sachen, die dem Lehrer gar nicht auffallen.

Und klar, sie müssen lernen mit Kritik umzugehen. Gehört zum Leben dazu. Wenn der beste Freund sagt "war zu leise", trifft das anders als wenn die Lehrerin es sagt - aber vielleicht bleibt es besser hängen.

Wo ich Bauchschmerzen habe

Jetzt kommt aber mein Problem damit. Zehnjährige sollen sich gegenseitig objektiv bewerten? Ernsthaft? Mein Sohn erzählte, dass manche Kids einfach ihren Freunden gute Bewertungen geben, egal wie der Vortrag war. Andere nutzen es, um fies zu sein.

Die Lehrerin kann nicht bei allen Feedback-Runden dabei sein. Was da manchmal gesagt wird - keine Ahnung. Mein Sohn berichtete von einem Mädchen, das nach einer Bewertungsrunde geweint hat. Super Lernerfahrung.

Und dann die Frage - wie viel Gewicht hat dieses Peer-Feedback eigentlich bei der Note? Wenn es zählt, ist das unfair. Wenn es nicht zählt, warum dann der ganze Aufwand?

Mir fehlt auch die Anleitung. Wurden die Kinder trainiert, wie man Feedback gibt? Oder sollen sie das einfach können? Bei uns zu Hause üben wir jetzt nebenbei, wie man konstruktiv kritisiert. Hätte ich nicht gedacht, dass das Hausaufgabe wird.